Raymarine Radar oder AIS?

AIS Raymarine

Früher oder später, auf Langfahrt stellt man sich die Frage;
Radar oder AIS? Oder beides?

Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Warum wir uns vorerst für AIS entschieden haben, und welche Erfahrungen wir damit machten, könnt ihr hier nachlesen. Meine Begegnung mit Radar hatte ich am Ausbildungsschiff und einigen Charteryachten. Mit AIS habe ich nun knapp 6000NM Erfahrung. Aber vorerst eine Beschreibung beider Systeme:

1) Radar - radio detection and ranging
Wikipedia schreibt dazu folgendes: Ein Radargerät ist ein Gerät, das elektromagnetische Wellen gebündelt als sogenanntes Primärsignal aussendet, die von Objekten reflektierten Echos als Sekundärsignal empfängt und nach verschiedenen Kriterien auswertet. So können Informationen über die Objekte gewonnen werden. Meist handelt es sich um eine Ortung (Bestimmung von Entfernung und Winkel).

AIS Raymarine

Vorteile gegenüber AIS:
a) Radarsysteme am Segelschiff zeigen (je nach Einstellung und Kompatibilität) am Plotter ALLE möglichen Hindernisse wie andere Boote, größere Schiffe, Inseln bis hin zu Regengebiete usw. an. Bei Nebel, schlechter Sicht oder ungenauem Kartenmaterial eine wertvolle und zuverlässige Navigationshilfe.
b) Solltest Du Dein Schiff für Ausbildungsfahrten ab FB2 verwenden wollen, ist Radar an Bord ohnehin Pflicht.
c) Moderne Radaranlagen sind kostengünstig und energieeffizienter als früher, ergänzen das Plotterbild und helfen durch zahlreiche Voreinstellungen jene, für die Situation optimale Informationen anzuzeigen. Außerdem haben sie umfangreiche Alarmeinstellungen, die vor möglichen Hindernissen zeitgerecht warnen können. Für Einhandsegler, die auch einmal zwischendurch schlafen möchten, fast unverzichtbar.

Nachteile gegenüber AIS:
a) Sie sind ein weiterer "Stromfresser" an Bord.
b) Man muss sich wirklich eingehend mit ihnen beschäftigen um wirklich sinnvolle Infos zu erhalten und auch richtig interpretieren zu können. Wer sich in Eigenregie damit befassen möchte, findet unten in unserer Amazonliste drei - davon zwei in Deutsch - sehr empfehlenswerte Bücher.
c) VERDAMMT! Ein weiterer Teil am Mast, bei dem das Spifall hängen bleibt.

Wer rastet, röstet
Raymarine AIS und Radar

2. AIS - Automatic Identification System (Receiver UND aktiver Sender)

Wikipedia: Der Begriff Automatic Identification System (AIS; zu Deutsch: Automatisches Identifikationssystem) oder Universal Automatic Identification System (UAIS) bezeichnet ein Funksystem, das durch den Austausch von Navigations- und anderen Schiffsdaten die Sicherheit und die Lenkung des Schiffsverkehrs verbessert.

Vorteile gegenüber Radar:
a) Kann mit einigem technischen Geschick und der Anleitung selbst installiert werden.
b) Mit dem Plotter kompatibel, zeigt es sämtliche (Groß)schiffe mit den wichtigsten Infos sofort, nach Installation an.
c) Auch Dein Schiff wird allen Schiffen, die über einen AIS Receiver verfügen angezeigt.
d) Die Infos sind einfach über den Plotter abrufbar, keine speziellen Vorkenntnisse nötig.
e) Günstiger.

Nachteile gegenüber Radar:
a) Eine Ausrüstungspflicht besteht nur bei der Großschifffahrt, nicht ausgerüstete Boote oder Segelyachten, bleiben am Plotter weiterhin unsichtbar.
b) Im Gegensatz zum Radar werden nur AIS-ausgerüstete Schiffe (diese dafür mit Infos wie Namen, Größe, Kurs, Geschwindigkeit) angezeigt, nicht jedoch nicht-AIS-ausgerüstete Schiffe, Küsten, oder sonstige Hindernisse.

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Warum also AIS?

Das selbe Schiff auf AIS und real.

Langfahrtsegler wie Bobby Schenk schwören (neben AIS) auf Radar mit durchaus guten Argumenten. Ich musste mich zunächst jedoch aus budgetären Gründen für das eine, oder andere entscheiden. Warum AIS und welche Erfahrungen, wir machten liest du hier. 

Unser Segelgebiet: Vorwiegend Kroatien, Mittelmeer und Atlantik bis Kapverden.
Für dieses Gebiet sind die Karten - wir verwenden neben den obligaten Papierseekarten Navionics im Plotter - unserer Erfahrung nach sehr genau. Was die kapverdischen Inseln anbelangt, empfiehlt es sich ohnehin von Mindelo ausgehend Nachtansteuerungen zu vermeiden. GPS- bzw. Kartenfehler sind mir auf der Strecke jedoch nicht aufgefallen.

Seglertyp: Als Einhandsegler würde ich Radar bevorzugen, ich hingegen empfinde Segeln als Teamsport und gerade die menschliche und fachliche Dynamik einer Crew macht für mich einen wichtigen Teil der Segelfaszination aus. Somit ist nächtens zumindest immer eine Person im Cockpit mit Überblick.

Infogehalt: AIS liefert mir am Plotter die Position anderer AIS ausgerüsteter Schiffe, deren Kurs, Geschwindigkeit (und sehr praktisch) deren Schiffsnamen. Letzteres ist beim anfunken, um beispielsweise aktuelle Wetterdaten zu bekommen ein wirklicher Vorteil gegenüber keinem AIS. Das AIS Alarmsystem kann auf potentielle Konfrontationen mit anderen Schiffen eingestellt werden. Am Atlantik sehr praktisch, im Hafen einlaufend; nervtötend. PIIIIIIEPPPPP!

Praxis: Auf der Atlantikpassage waren AIS-ausgerüstete Schiffe, denen wir begegnet sind (auch Segelyachten), in der klaren Mehrzahl. Ebenso die Helikopter der SAR die wir am Plotter und später auch live bei einem Einsatz beobachten konnten. Interessant das deren Aktionsradius zumindest 150 NM betragen muss, denn soweit waren sie von ihrer Base auf den Kanaren entfernt. 
Von der 5-wöchigen Überstellungsfahrt von den Kapverden nach Kroatien gab es 1,5 Tage bzw. Nächte mit sehr eingeschränkter Sicht (Schwerwetter und Nebel). Hier wäre ein Radar durchaus wünschenswert gewesen, es ging aber auch ohne. Wir hatten aber auch das Glück (wenn es denn eines ist) keinen sonstigen Gefahren wie Containern oder Baumstämmen zu begegnen. Gefährlich wurden uns nächtens nur AIS- ausgerüstete Fischerschiffe, deren Fahrt scheinbar nicht durchgehend vom Skipper überwacht wurde. Immerhin konnten wir selbst wenn es brenzlig wurde rechtzeitig ausweichen.

Fazit: Das AIS leistete uns gute Dienste, auch macht es Spaß während der Nachtwache Infos über die Schiffe in unmittelbarer Umgebung abzurufen und diese ggf. anzufunken. Wer ebenfalls über einen Raymarine Plotter verfügt könnte sich so wie wir bei Michael Körner SOLBIAN beraten lassen.

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  Erwin Haas 10in2 sailisfaction
Erwin Haas