KAPVERDEN - Der 2-Wochen Inseltörn

Kojencharter Mitsegeln Kastela Split Kapverde

Vorweg, um von Mindelo auf Sao Vicente ausgehend alle Inseln mit ausgedehnten Landausflügen per Segelschiff zu besuchen, wären drei Wochen am besten geeignet. Bei einer Woche, von Mindelo ausgehend, ist maximal die NW-Inselgruppe in Tagesetappen zu ersegeln. Warum also ein zwei Wochentörn? Und was ist in dieser Zeit alles möglich?

Genau dies herauszufinden war das Ziel dieses Törns; Wieviele Inseln kann man ersegeln und unter welchen nautischen Bedienungen kann dieser Törn gestaltet werden. Nach Absprache mit der Crew und Ausgangspunkt der Marina Mindelo auf Sao Vicente haben wir uns auf folgende Inseln und deren Reihenfolge geeinigt;

• Sao Vicente (Ausgangspunkt des Törns, Marina Mindelo),
• Nightstop: Sal (Touristische Hochburg der Kapverden), 
• 2-Nightstop: Boa Vista (Endlose Strände, Paradis für Surfer, Kiter und Quadliebhaber),
• 2-Nightstop: Brava (Romantische Blumeninsel mit Hügeln, Bergen, Tälern),
• 2-Nightstop: Fogo (mit dem seinem Vulkanberg Pico de Fogo, 2829 Meter),
• 2-Nightstop: Sao Nicolau (Grüne Berge und Täler),
• Sao Vicente (Kulturelles Zentrum der Kapverden, beste Infrastruktur)

Ausgelassen wurden auf Wunsch der Crew; Santiago, Maio, San Antao, und Santa Luzia. Um diesen Törn in zwei Wochen durchzuführen, sind drei Nachtfahrten 1) Sao Vicente - Sal, 2) Boa Vista - Brava und 3) Fogo - Sao Nicolau nötig.
Für künftige Törns würde ich persönlich auf einen Stopp auf der Insel Sal verzichten und dafür die Insel Santiago ins Programm nehmen.

Eine große Hilfe, ist für die Törnplanung ist der nautischer Führer; Kapverdische Inseln von Kai Brossmann und Andre Megroz, bestellbar hier.

Die nautischen Bedienungen:

Zumeist NE Passat bei den längeren Passagen zwischen den Inselgruppen zwischen 4 - 7, selten auch Böen bis zu 8 BFT.
Nicht zu unterschätzen sind die Inseleffekte innerhalb der Inselgruppen mit Böen und Fallwinden bis zu 50 Knoten, und die bis zu 4 Knoten starke Strömung, die vor allem zwischen den Inseln zuschlägt.

Ankern, Ankern, Ankern
Mit Ausnahme der Marina Mindelo gibt es keine weitere Marina sondern Ankerplätze; ein Verkatten (Zwei Anker hintereinander), ist auf Sao Nicolau dringend angeraten, auf Brava jedenfalls von Vorteil und bei manchen Bedienungen auch auf Fogo + Landleinen, nötig. Bei manchen Inseln (Boa Vista) ist ein Ankommen bei Tageslicht empfohlen, um die leicht unter der Wasseroberfläche versteckten Riffs in der Nähe des Ankerplatzes gut auszumachen. Auch Brava sollte im Westen eher bei Tageslicht angefahren werden. Ankerlichter werden von den Yachten leider nicht durchgehend gesetzt. Die Ankergründe sind unterschiedlich; Sehr oft Sand aber auch durchwegs Felsen und Stein dazwischen. Wir ankerten an allen Inseln zwischen 5 und 10 Meter Tiefe.

Ein- und Ausklarieren
Ein- und Ausklarieren ist auf allen Inseln Pflicht, und mit Ausnahme auf Fogo, nur bei der Policia Maritime nötig bzw. in 20 Minuten gebührenfrei erledigt. Benötigte Dokumente: Schiffspapiere, selbstverfasste und vom Skipper unterschriebene Crewliste mit Name, Geb.-datum, Passnnummer, Nationalität, und gültige Reisepässe. Auf Fogo mussten wir zusätzlich zur Einwanderungspolizei und eine Gebühr von €7.- entrichten.

Wir haben immer erst am Abreisetag ein- und zugleich ausklariert, da wir nirgends länger als ein, zwei Tage verweilt haben. Bei längeren Aufenthalten werden die Schiffspapiere beim Einklarieren bis zur Abreise und dem damit verbundenen Ausklarieren von der Polizei einbehalten. Sollte eine andere Insel, als die zuletzt angegebene Zielinsel angelaufen werden, sollte man das der hiesigen Polizei, nautisch untermauert (Wind-, Wetterbedienungen), erklären können.

DIE NACHTSCHLÄGE
I) Sao Vicente (Mindelo) - Sal (Palmeira), 122NM
Unser erster Nachtschlag brachte uns von Sao Vicente nach Sal.
Hierzu ist es erstmal notwendig bis zu 3 Stunden gegen Winddüse und Welle nach Nordnordosten zu motoren, um dann einen Am-Wind-Kurs nach Sal durchzusteuern. Die Bedienungen waren zunächst mit 6 Bft und 2-3 Meter Welle ideal, gegen Ende des Schlags schlief der Wind, durchaus untypisch gänzlich ein, sodass wir den letzten Teil der Strecke unter Motor bewerkstelligen mussten.

II) Boa Vista (Sal Rei) - Brava (Faja de Agua) 132NM
Mit raumen NE Winden, 4-5 Bft ging es nur mit der Genua, ohne Großsegel nach Brava. Mit Unterstützung der Strömung erreichten wir unser Ziel früher als gedacht. SOG: 9,5 Knoten. Entspannter geht es kaum.

III) Fogo (Porto de Vale de Cavaleiros) - Sao Nicolau (Tarrafal) 135NM
Dieser Schlag hatte es in sich. Zunächst muss von der Westseite der Insel gegen Wind und Welle Richtung NE rund 12NM auf die Höhe der Nordspitze von Fogo motort werden. Wer eine Schwäche für Übelkeit hat, spürt das hier auch gewaltig.

Danach wird möglichst hart am Wind, bei 7 BFT NE Richtung Norden gesegelt. Versetzung durch Abdrift und Wind lassen allerdings einen direkten Schlag auf 360 Grad COG nicht zu. Wir entschlossen uns deshalb, die letzten 5 Stunden der Etappe direkt in Richtung Ziel zu motoren. An Vollbesegelung war bei den WIndverhältnissen ohnehin nicht zu denken, zumeist waren Großsegel und Fock im dritten Reff gesetzt. Ein Ölzeug ist hier unabdingbar, gehen doch immer wieder mal etwas höhere Wellen über den Steuerstand. (Immerhin waren Wasser und Aussentemperatur angenehm warm).

Fazit: Dieser letzte Schlag ist definitiv nichts für Segelanfänger bzw. Menschen, die an Seekrankheit leiden. Auch kann man hier den Autoplioten zumeist vergessen; um die Wellen und Böen richtig auszusteuern muss man schon selbst am Ruder stehen. Wer mit all diesen Dingen leben kann, der kommt während dieser Nacht als Segelabenteurer adrenalin-voll auf seine Kosten.

DIE INSELBESUCHE

SAL, PALMEIRA
In Palmeira lässt sich entweder in der relativ ruhigen Bucht ankern, ein paar Bojen werden aber auch von den Einheimischen gegen wenig Geld angeboten. Gegen ein paar Euro wird der Müll mittels Fischerboot entsorgt oder frischer Fisch an Bord gebracht, bzw. Gäste an Land transportiert.

Die Ortschaft ist sehr ursprünglich und gibt selbst nicht besonders viel her. Die Salinen haben wir zwar nicht besucht, dafür aber einige Lokale, die zumeist mit einem Holzkohlegrill auf dem fangfrischer Fisch gebraten wird, WIFI und frischgezapftes Bier und eine hübsche Aussicht auf die Ankerbucht ausgestattet sind. Santa Maria im Süden mit seinen touristischen Hotelhochburgen und Stränden haben wir bewusst ausgelassen.

BOA VISTA (2 Nächte Aufenthalt)
Bei der Anfahrt zur Ankerbucht Sal Rei hält man sich bei den, bei Tageslicht gut    
sichtbaren Riff in unmittelbarer Nähe frei. Beim Ankern gilt es genug Platz zu den
Nachbarn einzuhalten, erreicht hier der Schwell an manchen Tagen eine beachtliche
Weite und Höhe. Hier gibt es leider keine Taxiboote und so kann die Fahrt mit dem
Dinghi zum Steg durchaus 15-20 feuchte Minuten in Anspruch nehmen.

Sal Rei auf Boa Vista hat uns mit ihrem Kleinstadtcharakter ganz gut gefallen, wer jedoch die ganze Insel erschließen
will, der ist bei einer wirklich günstigen und schönen Tagestour wie
beispielsweise mit www.cabokaitours.com sehr gut aufgehoben. Endlose
Strände und Quadfahrer in diversen Gebieten ergänzen das Bild der Insel. Die Hotelburgen im Südwesten sind für sich geschlossene Enklaven, die nur einen übersichtlichen Teil der Insel einnehmen.

BRAVA (2 Nächte Aufenthalt)
Wir haben uns entschlossen, die Insel vom Westen aus zu erschließen und wurden nicht enttäuscht. Umgeben von traumhaften Hügeln liegt der verschlafene Ort Faja de Agua mit seiner wunderschönen Ankerbucht. Von dort sind Wandertouren, der Besuch einer Schnapsbrennerei mit Verkostung möglich oder eine Fahrt mit Aluguer (Sammeltaxi) in die Hauptstadt mit ihrem Blumenpark.
Wer zudem rechtzeitig die ansäßigen Fischer wegen Langusten befragt, kann zumeist am nächsten Tag 1-2 kg zum wirklich günstigen Preis sein Eigen nennen. Und wer Kontakte sucht; direkt an der Bucht gibt es zwei-drei Lokale, bei denen man die Spezialisten vor Ort für Wanderungen oder einem Aluguer (Sammeltaxi) erfragen kann.

FOGO (2 Tage Aufenthalt)
Wir ankerten im Hafen Porto de Vale de Cavaleros im Westen der Insel. Vorsicht, dort sind zwar sofort Schwimmer zur Hand um die Landleinen anzubringen, besser ist es allerdings vorher den Preis dafür ausverhandeln! Der Hafen ist geschützt und gut bewacht, diesbezügliche Angebote von Dritten auf das Schiff aufzupassen kann man getrost ausschlagen. Bei angebotenen Taxifahrten in die Hauptstadt bzw. zum Fuße des Pico de Fogo kann man getrost auf 60% runterhandeln, da sie zunächst zu teuer angeboten werden. Ein Auto (Stand 2019)  nimmt oneway ca. €50- €60.-, je mehr zusteigen, desto günstiger ca. €10.- bei 5-6 Fahrgästen sollte die Fahrt dem Einzelnen kommen.

Wirklich schön, auch nach europäischen Maßstäben ist das Hotel  Casa Marisa am Fuße des Pico, dass von einem deutschsprachigen Türken mit abenteuerlichen Wurzeln und einer ebensolchen Lebensgeschichte zusammen mit seiner Frau Marisa mit viel Liebe und Pflanzen betrieben wird. Von dort sind auch Wandertouren rund und auf den Gipfel des noch 2014 aktiven Vulkans möglich.

Das damals verschüttete Dorf am Fuße des Pico wird gerade wiederaufgebaut, ein Besuch zu den Lokalen mit Musik oder den kleinen Kaufhäusern lohnt sich und unterstützt die hiesige Bevölkerung. Pflicht ist hier ebenfalls den herrlich guten Rotwein von Fogo zu verkosten.

SAO NICOLAU (2 Nächte Aufenthalt)
Wir ankerten vor Tarafal und seiner beeindruckenden Bergkulisse.
Zwei Anker (Verkatten) sind bei den Fallwinden direkt vor der Ankerbucht Pflicht. Genügend Abstand zum Nachbarn ebenfalls, legt man hier normalerweise 50-60 Meter Kette aus. Mit dem Dinghi gings zum Strand, von dort mit einem Aluguer hinauf in die frühere Hauptstadt der Insel. Bei unserem Besuch erwies sich Sao Nicolau als grünste aller Inseln. Bäume, Pflanzen, Berge, eine opulente grüne Landschaftsansicht für das Auge. Wanderer und Naturliebhaber kommen hier voll auf ihre Rechnung.

Und Thunfischliebhaber ebenfalls. Wer mit dem dort ansäßigen und erfahrenen deutschen Fischer Thomas auf Thunfischfang gehen möchte, kann mich gerne kontaktieren um den Kontakt herzustellen.

SAO VICENTE (Mindelo)
Die Marina war unser Ausgangspunkt und Endpunkt des Törns. Von allen Inselstädten ist Mindelo in unseren Augen die am meisten entwickelte mit der besten Infrarstruktur und dem vielfältigsten kulturellen und Restaurant/Barangebot. Perfekt für Segler, wenngleich man am besten bei längeren Stehzeiten Mopedreifen als Festmacherschoner bestellt, da der Schwell und die damit verbundenen Bewegungen der Stege beachtlich ist. Legendär ist dort die Floatingbar, die mit frischgezapften Strella oder Superbock in Flaschen nebst einer sehr guten Speisekarte aufwartet.

Nicht nur während der ARC trifft sich dort die ganze Seglerwelt aus verschiedenen Nationen um ihren nächsten Schlag zu planen oder Reparaturen bei der ansäßigen Firma BOATCV in Auftrag zu geben. Hier gibt es auch einen gutsortierten nautischen Shop, der zwar klein wirkt, aber mit einer relativ großen Auswahl im Warenlager glänzt.

Sicherheit auf den Inseln
Noch ein Wort zur Sicherheit auf den Inseln. Als Weißer ist man nun mal auf beinahe allen Inseln die Kernzielgruppe oder böser; Melkkuh um Geld zu machen. Einzig Brava im Westen, ist hier eine erfrischende Ausnahme. Ob das nun in Form von überteuert angebotenen Diensten, Sexarbeit, oder Bettelei ist, es sind immer nur einige Wenige unter den Einheimischen der Insel, während der Großteil der Bevölkerung freundlich und Segeltouristen gegenüber herzlich und hilfsbereit ist.

Unsicher haben wir uns auf keiner der Inseln gefühlt, und auch unser Dinghi oder anderes wurde unbewacht nicht geklaut.
Übliche Vorsichtsmaßnahmen sind das Absperren des Bootes, und ein Sicherheitsschloß am Dinghimotor. Wem das nicht reicht,  der findet an fast jeder Bucht Kinder oder junge Erwachsene, die für wenig Geld die Dinghiwatch übernehmen bzw. auch Kleinigkeiten besorgen, oder organisieren können. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und man unterstützt auch so die Einheimischen. Reine Bettelei, vor allem von Kindern sollte man eher mit Sachspenden in Form von Lebensmittel begegnen, als mit Geld.

Wichtig:
Preise vorher ausmachen, eventuell auch handeln wenn etwas zu teuer vorkommt.

Wer Lust auf dieses Segelabenteuer haben sollte, dem sind die zwei weiteren SAILISFACTION 2-Woche-Törns rund um die Kapverdischen Inseln im Jänner vom 11.01.20 - 25.01.20 sowie im Februar vom 22.02.20 - 07.03.20 herzlichst empfohlen.

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  Erwin Haas 10in2 sailisfaction
Erwin Haas